Beschwerden über lästige „Untermieter“ häufen sich – Ordnungspolizei gibt Tipps, wie man die Tiere los werden kann

Wenn der Waschbär unterm Dach los ist


Auf den ersten Blick sind sie einfach nur goldig, auf den zweiten immer noch putzig – bei genauerer Betrachtung jedoch können Waschbären sehr schnell einiges von ihrem Charme verlieren. Vor allem dann, wenn die kleinen pelzigen Räuber mit der schwarzen Augenbinde auf dem eigenen Grundstück oder sogar im Eigenheim ihr Unwesen treiben. Denn dann ist vor den findigen Allesfressern so gut wie nichts mehr sicher, wird der Müll geplündert, werden Futternäpfe von Haustieren geleert, sogar Dämmmaterialien verdaut und im Nachgang über den Dachstuhl verteilt. Dass die Mitte des 20. Jahrhunderts aus Nordamerika nach Europa eingeführten Tiere dabei weder zimperlich noch spurlos zu Werke gehen, wissen viele, die ungewollt mit einem Waschbären oder gleich einer ganz Familie der fruchtbaren „Neubürger“ unter einem Dach leben. Und das sind einige – auch in Kronberg.

Allein beim Ordnungsamt der Burgstadt sind seit Anfang Mai 47 Beschwerden über die umtriebigen Untermieter eingegangen. Darauf verweist Matthias Jäger, Leiter des Fachreferats 23 „Ordnungspolizei und Öffentliche Sicherheit“ in einer Mitteilung der Stadt. Die Frage, die ihm dabei immer wieder von genervten Kronbergerinnen und Kronbergern gestellt werde, sei immer dieselbe: „Wie werden wir die Waschbären wieder los.“ Ein, so Jäger, durchaus nachvollziehbares Ansinnen, dass ihn und seine Kollegen dazu veranlasst hat, einige Tipps zusammenzufassen, mit denen man die Tierchen aus dem Haus bekommen sollte.

 

 

Abendliche Rundgänge auf dem Dachboden seien da ein durchaus probates Mittel, um es für die Waschbären etwas ungemütlicher machen. Vor allem aber sollte man dafür sorgen, dass es den kleinen Kerlen irgendwann im eigentlichen Sinne des Wortes an einem Ort stinkt und sie weiterziehen. Jäger: „Waschbären sind sehr geruchsempfindlich. Da können schon Lavendelsäckchen oder Mottenkugeln helfen, die im Garten und ihren Verstecken ausgelegt werden.“ Auch ein Sud aus Chilischoten und Cayennepfeffer soll die Tiere stören. Das Auftragen von Essig auf Mülltonnen oder in Bereichen, in denen Waschbären aktiv sind, kann durch den Geruch ebenfalls abschreckend wirken.

Wenn das alles nicht hilft und sich die Tiere nicht mit den Hausmitteln vertreiben lassen, ist der Anruf bei einem Unternehmen zu empfehlen, das sich auf die Schädlingsbekämpfung versteht. Die Fachleute verfügen über die nötige Sachkenntnis und professionelle Mittel, um die Hausbesetzer nicht nur zu vergrämen, sondern auch und von einer Rückkehr an den Tatort abzuhalten.

Was die grundsätzliche Waschbär-Problematik in Kronberg angeht, verweist die Stadt darauf, dass die Jagdpächter der kommunalen Waldflächen auch in eigener Sache bemüht seien, präventiv aktiv zu werden. Das Erlegen der Tiere innerhalb der Stadtgrenzen ist jagdrechtlich untersagt. Die Tiere dürfen dort nur in Lebendfallen gefangen und außerhalb des Siedlungsbereichs erlegt werden.

Hintergrund: Waschbären sind sogenannte „Neozoen“ wie Nilgans oder Nutria - also Tiere, die ursprünglich hierzulande nicht heimisch waren und sich erst in jüngerer Vergangenheit hier ausgebreitet haben. Nicht selten unter dem Zutun des Menschen. Da diese Zuwanderer aus der neuen Welt jedoch mittlerweile in Deutschland längst ein zweites Zuhause gefunden fanden, werden sie in der Praxis mittlerweile den heimischen Säugetierarten zugerechnet. Sie stehen weder unter Artenschutz noch sind sie meldepflichtig. Ob ihrer stark steigenden Zahl dürfen sie auch in Hessen bejagt werden. Laut Bundesjagdverband wurden allein in der Jagdsaison 2022/23 rund 202000 Waschbären erlegt. Allerdings stehen Waschbären laut Landesjagdverordnung, die im April 2016 in Kraft getreten ist, vom 1. März bis zum 31. Juli unter Schonzeit.

Auf der Homepage des Landesjagdverbandes Hessen heißt es dazu kritisch: „Zwar ist das Fangen von Waschbären in befriedeten Bezirken, wie Grundstücken oder Gebäuden auch in der Schonzeit durch den Grundstückseigentümer und von ihm Beauftragte erlaubt, doch der vom Grundstückseigentümer beauftragte Jäger darf die gefangenen Tiere weder aussetzen noch ohne eine Sondergenehmigung erlegen.“

Der Naturschutzbund (Nabu) Hessen sieht im Waschbären zwar auch einen Fressfeind, der Vogelbrut oder Amphibien in bestimmten Fällen gefährlich werden könne. Eine Bejagung oder gar die Ausrottung der Kleinbären halten die Naturschützer weder für angebracht noch für möglich. „Waschbären“, so heißt es auf der Homepage des Nabu, „können Populationsverluste durch eine vermehrte Fortpflanzungsrate ausgleichen“.