Kammermusiksaal und Hotel am Bahnhof

Staab Architekten Berlin gewinnen Wettbewerb. Die Entscheidung ist gefallen: Die Preisträger des im Februar 2014 gestarteten Architektenwettbewerbs am Bahnhof stehen fest. Nach einer 15-stündigen Abschlusssitzung hat das Preisgericht einstimmig entschieden und zwei Preisträger auserkoren.

 Das Büro Staab Architekten aus Berlin belegt den 1. Platz Platz, Eurich-Manz Architekten aus Oberursel den 2. Platz. Die Sieger teilen sich das Preisgeld in Höhe von 86.000 Euro (53.000 Euro gehen an den Erstplatzierten, 33.000 Euro an den Zweitplatzierten). Insgesamt hatten sich 11  hochkarätige national und international tätige Architekten am Wettbewerb beteiligt. Alle Wettbewerbsbeiträge sind in einer Ausstellung im Sitzungssaal des Rathauses zu sehen.

Die Stadt Kronberg im Taunus strebt seit über zehn Jahren eine Entwicklung der Brachflächen rund um den S-Bahnhof Kronberg an. 2012 wurde mit einem neuen Rahmenplan erneut eine Entwicklung an dieser Stelle angestoßen. Der Rahmenplan sieht auf einer Teilfläche den Bau eines Hotels vor. Im Mai 2013 entschied sich die Stadt Kronberg im Taunus in einem Interessensbekundungsverfahren dafür, dass dieses Hotel mit dem Projektentwickler Contraco GmbH entwickelt werden soll, der bereits seit April 2012 über eine Vereinbarung mit einem international tätigen Hotelkonzern zur grundsätzlichen Zusammenarbeit bei der Entwicklung und dem Betrieb des Hotels verfügt.

Da das Hotel nur Teilflächen der insgesamt 8600 Quadratmeter umfassenden Wettbewerbsfläche in Anspruch nehmen sollte, wurde beschlossen, der Contraco GmbH die zusätzliche Aufgabe zu geben, auch für das verbleibende Restgrundstück eine sinnvolle Nutzung aufzuzeigen. Durch Kontakte zur Kronberg Academy entstand die Idee, einen Kammermusiksaal auf dem Grundstück zu planen. Die heute international renommierte und anerkannte Akademie hat sich einen Spitzenplatz in der Musikerausbildung erarbeitet. Die Konzertveranstaltungen in Kronberg finden auf höchstem musikalischem Niveau statt.

Die Bauherren Contraco GmbH und Kronberg Academy entschieden sich schließlich, diese komplexe Bauaufgabe im Rahmen eines Architektenwettbewerbs untersuchen zu lassen. Das Verfahren wurde nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW) der Architektenkammer Hessen ausgelobt und alle Fraktionsvorsitzenden der Kronberger Stadtverordnetenversammlung, Bürgermeister Klaus Temmen, Erster Stadtrat Jürgen Odszuck und der Fachbereich Stadtplanung wurden eng in den Prozess eingebunden.

Mit dem Ergebnis zeigten sich die Bauherren im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag, 20. Juni, in höchstem Maße zufrieden. „Das Preisgericht und die politischen Vertreter haben allen Arbeiten eine hohe Qualität bescheinigt und während der Preisvergabe mit großem Konsens den ersten und zweiten Preis vergeben“, so Daniel Rinck, Geschäftsführender Gesellschafter von Contraco. Auch der Geschäftsführende Direktor der Kronberg Academy, Raimund Trenkler, war voll des Lobes: „Das Wettbewerbsergebnis ist äußerst gelungen und es wurde mit Herrn Staab ein großartiger Architekt zur Realisierung des Projekts gefunden. Die Staab Architekten werden uns helfen, einen unverwechselbaren Ort in Kronberg zu schaffen.“ Durch die Weiterentwicklung des Projektareals für die Belange der Kronberg Academy eröffneten sich laut Rinck für den Betrieb und die Konzeption des Hotels Alternativen. Die Hotellerie könne sich auch mehr für Konzertgäste und Betreiberkonzepte im Bereich der Art-Hotellerie öffnen.

Für die Kronberg Academy, so Trenkler weiter, gehe es um nicht weniger als um Zukunftssicherung. Der Konzertsaal und das ebenfalls geplante Studien- und Verwaltungszentrum (SVZ) seien ein klares Bekenntnis für den Standort Kronberg. „Die Kronberg Academy braucht jetzt ein zu Hause. Spitzenniveau kann nicht auf Dauer mit Provisorien und Unsicherheit erbracht werden. Es braucht hochprofessionelle Arbeitsbedingungen für hochkarätige Musiker. Der Kammermusiksaal wird Dinge erlauben, die bis dato nicht möglich waren.“ Eine herausragende Akustik werde CD-aufnahmen ermöglichen, der Saal neue Aufstellungen und musikalische Kreativität in noch nicht bekanntem Maße erlauben.

„Das Ergebnis des Wettbewerbs ist beeindruckend“, konstatierte Bürgermeister Temmen. „Dieses Projekt ist ein extrem wichtiger Wirtschaftsfaktor für unsere Stadt. Wir haben die historische Chance, etwas Einmaliges zu errichten. Gerade der Konzertsaal bietet ein Riesenpotenzial. Ich bin mir sicher: Er wird zu einem kulturellen Epizentrum in der gesamten Rhein-Main-Region. Die Kronberg Academy hat in den zurückliegenden 20 Jahren hier ihr Zuhause gefunden, geben wir ihr mit dem Kammermusiksaal und einem Studienzentrum nun auch eine dauerhafte Heimat.“ Temmen dankte allen 11 Wettbewerbsteilnehmern, die sich in „großartigem Maße“ mit ihren Ideen und Entwürfen eingebracht hätten. Der Rathauschef dankte auch Contraco, der Academy und den Vertretern der politischen Parteien im Preisgericht für die „konstruktive Zusammenarbeit“.

Erster Stadtrat Jürgen Odszuck, zugleich Sprecher des Preisgerichts: „Beiden Siegerentwürfen gemeinsam ist, dass sie sich durch einen sorgfältigen Umgang durch maßvolle Gesten im Städtebau auszeichnen. Während der zweite Preis eine groß angelegte Fußwegebeziehung durch das Wettbewerbsareal inszeniert, arbeitet der Siegerbeitrag von Volker Staab mit einer Abfolge von klar abgegrenzten, fein ausdifferenzierten Räumen. Die Landschaft des Viktoriaparks wird bis in das Wettbewerbsareal hineingeführt, zwischen Saal, Hotel und dem Studienzentrum entsteht ein neuer Hof, der künftige Bahnhofsplatz wird klar und städtisch definiert. Dabei gelingt es, zu Gunsten der Freibereiche die Gebäudevolumen zurückzunehmen.“  Auch lebe dieser Entwurf von seinen starken Kontrasten. „Das Hotel wird als klar ablesbares Volumen ausgebildet, das Studien- und Verwaltungszentrum hingegen wird in den bestehenden Hang integriert, es tritt somit ausschließlich zum neu geschaffenen Hof in Erscheinung“, so Odszuck weiter. Der Kammermusiksaal hingegen erscheine nach außen hin als ein gläserner Pavillon, der stark in Beziehung mit dem Viktoriapark und dem Schillerweiher trete und somit eine Verbindung des Musikerlebnisses mit der Natur schaffe. „Auch wird hier stark mit der Topographie gearbeitet, der Saal wird teilweise in den Hang integriert, so dass das Gebäudevolumen eher zurückhaltend erscheint.“ Die Gebäude und Freibereiche könnten sowohl aus der Umgebung, von der Bahnhofstraße aus aber auch durch einen neuen Weg durch das Gelände erlebt werden. „Aller Kontraste zum Trotz ist eine einheitliche Handschrift, ein Ensemble erkennbar. Diese Qualitäten haben zu einem einstimmigen Votum des Preisgerichts geführt.“

Die Wettbewerbsarbeiten werden bis einschließlich Freitag, 4. Juli 2014, im Sitzungssaal des Kronberger Rathauses ausgestellt. Interessierte erhalten die Gelegenheit, die Ausstellung im Rathaus zu besuchen. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr.

Zum Wettbewerbssieger Staab Architekten Berlin:

Das Büro um seinen Leiter, den renommierten Architekten Prof. Volker Staab, zählt zweifellos zu den Top-Adressen in Deutschland. Staab gewinnt einen Preis nach dem anderen, darunter den Deutschen Architekturpreis 2011 (Neubau und Sanierung Albertinum-Depot in Dresden) und 2014 (Herkulesmuseum Kassel). Zu den zahlreichen aktuellen Projekten zählen auch der Augustinerhof in Nürnberg, das Kunstmuseum Ahrenshoop und die Willy-Brandt-Schule in Warschau. In den Jahren 2003, 2005 und 2013 erhielt Staab jeweils den Deutschen Fassadenpreis.

 

Der Magistrat der Stadt Kronberg im Taunus

Klaus E. Temmen                                                  Jürgen Odszuck        

Bürgermeister                                                       Erster Stadtrat

Copyright: Staab Architekten GmbH
Bildzuordnung

1Böwer, Eith, Murken, Freiburg/Urban Agencys APS, Kopenhagen
2Kahl Architekten, MM, Basel
3Keith Williams Architects, London
4Wolfgang Ott Architekten, Kronberg
5Daniel Libeskind, New York
6Hess/Thalhof/Kusmierz, München
7Schneider+Schumacher Architekten, Frankfurt
8Eurich-Manz Architekten, Oberursel
9Staab Architekten Berlin
10Schultes Frank Architekten, Berlin
11Atelier Jean Nouvel, Paris