Eugen Friede gestorben

Die Stadt Kronberg im Taunus trauert um einen hoch angesehenen Bürger. Eugen Herman-Friede, Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus und Holocaust-Überlebender, starb am 06.10.2018 im Alter von 92 Jahren.

Eugen Herman-Friede wurde am 23.04.1926 in Berlin geboren. Nachdem sich seine jüdischen Eltern früh getrennt hatten, heiratete seine Mutter den Nichtjuden Julius Friede. Erst nach seiner Einschulung erfuhr Eugen Herman-Friede, dass er Jude sei und erlebte die wachsende Diskriminierung und Ausgrenzung.

Zu Beginn des Jahres 1943 reichte der Schutz des nichtjüdischen Stiefvaters nicht mehr aus. Bis Kriegsende wurde Eugen Herman-Friede bei Freunden, Verwandten und Bekannten in Berlin versteckt. Dort stieß er zur Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“. Er vervielfältigte und verteilte Flugblätter und half, Verfolgten einen Unterschlupf und falsche Papiere zu besorgen.

Nach Kriegsende trat er in die KPD ein, wurde nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD Mitglied der SED, besuchte Parteischulen, studierte und wurde Journalist bei der Märkischen Volksstimme in Potsdam. 1949 ging er nach West-Berlin und zog 1953 mit seiner Familie nach Kanada. Dort eröffnete er das erste deutsche Restaurant in Toronto. Er kehrte nach Deutschland zurück, wo er seit 1966 in Kronberg im Taunus lebte. Hier eröffnete er zusammen mit seiner Frau ein Modegeschäft, den legendären „Jeanskeller“ in der Eichenstraße, und war in der Bekleidungsindustrie und bei einem Chemieunternehmen tätig.

Von seinem bewegten Leben berichtete Eugen Friede vor allem in Schulklassen und bei Geschichtsforen und schrieb Bücher wie „Abgetaucht! Als U-Boot im Widerstand“. Für sein Lebenswerk erhielt er 2009 das Bundesverdienstkreuz.

Für große Aufmerksamkeit sorgte im vergangenen Jahr der Film „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“, der vier Schicksale junger verfolgter Juden während der NS-Diktatur filmisch aufbereitet hat. Eugen Friede war einer dieser Vier und ist im Film in Interview-Ausschnitten zu sehen. Als junger Mann wird Eugen Friede von Aaron Altaras dargestellt. Der Film wurde am 16. November 2017 im Beisein von Eugen Friede und dessen Sohn Dr. Frank Friede auch im Kino „Kronberger Lichtspiele“ gezeigt. Vor Beginn der Filmvorführung wurden Eugen Friede und Dr. Frank Friede von der HR-Journalistin Waia Stavrianos interviewt.

„Die Stadt Kronberg im Taunus verliert einen hochgeachteten Bürger. Sein Leben während der NS-Zeit war von vielen Drangsalen und Schikanen begleitet. Bei vielen anderen Menschen wäre man nicht verwundert, wenn sie sich zurückgezogen  und vielleicht sogar resigniert hätten. Eugen Friede aber hat seine positive und lebensbejahende Einstellung nie verloren. Er war ein humorvoller Mensch, hat Freundschaften gepflegt und hat aus seinem weiteren Leben etwas gemacht. Vor allem aber hat er die Verpflichtung ernst genommen, insbesondere jüngere Menschen als Zeitzeuge authentisch zu informieren und bei älteren Menschen das Bewusstsein zu erhalten, dass sich die Zeit des Nationalsozialismus nie mehr wiederholen darf“, sagt Kronbergs Bürgermeister Klaus Temmen.

Temmen weiter: „Eugen Friede, mit dem mich auch ich eine langjährige persönliche Freundschaft verbunden hat, bleibt unvergessen. Er war und bleibt Vorbild für mich und für uns alle. Die Stadt Kronberg im Taunus trauert um einen bewundernswerten Menschen.“

Stadtverwaltung Kronberg im Taunus

Andreas Bloching

Stabsstelle Medien & Wirtschaftsförderung

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