100 Jahre Frauenwahlrecht: Kronberger Podiumsdiskussion zieht Fazit - „Vieles erkämpft, aber noch viel zu tun“

Seit 100 Jahren besteht in Deutschland das Wahlrecht für Frauen. 

Anlass für die Gleichstellungsstelle der Stadt Kronberg im Taunus dieses Jubiläum, das die Grundlage für die Gleichberechtigung von Frauen in Politik und Gesellschaft darstellt, gebührend zu feiern – mit einer Podiumsdiskussion und einer Foto-Ausstellung zum Thema „Kronberger Politikerinnen zu 100 Jahre Frauenwahlrecht“ zu feiern.

Nach den Grußworten von Kronbergs Gleichstellungsbeauftragter Heike Stein und der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Kronberger Frauenverbände, Christina Nikolai, die beide einen Rückblick auf 100 Jahre Frauenrecht hielten und in Ihrer Ansprache an den „jahrzehntelangen Kampf der Frauen“ erinnerten, mit dem sich Frauen ihre Gleichstellung und das Wahlrecht erkämpften.

Unisono betonten Stein und Nikolai, dass das Frauenwahlrecht einen „Meilenstein in der freien, demokratischen Gesellschaft“ darstelle. „Alle Frauen sollten ihr Recht auf Wahlfreiheit, mehr denn je nutzen. Populistischen Strömungen darf nicht das Feld überlassen werden“, so der gemeinsame Appell, ehe auf dem Podium weiter leidenschaftlich um die zukünftige Entwicklung der Gleichberechtigung von Mann und Frau diskutiert wurde.

Auf dem Podium: Die hessische Landtagsabgeordnete Elke Barth (SPD), die Wetterau-Kreistagsabgeordnete Srita Heide (CDU), Schwalbachs Bürgermeisterin Christine Augsburger (SPD), Juliane Elpelt (Gleichstellungsbeauftragte von ver.di) sowie Lydia Förster von der Stabsstelle Chancengleichheit der evangelischen Landeskirche. Moderiert wurde die Diskussionsrunde von Dr. Dorothee Beck (Politikwissenschaftlerin und Medienberaterin an der Universität Marburg).

Gleichwohl Frauen seit nunmehr 100 wählen dürfen und sich viele Frauen längst auch politisch engagieren und die Bundesrepublik Deutschland mit Kanzlerin Angela Merkel eine Frau an der Spitze der Regierung habe, gebe eine jüngere Entwicklung Anlass zur Sorge, so Dr. Beck: So sei im Jahr 2017 der Frauenanteil im Deutschen Bundestag mit 30,9 Prozent auf das Niveau von 1998 gesunken: „Nicht einmal jedes dritte Parlamentsmitglied ist weiblich“, führte Moderatorin Dr. Beck aus und warf auch einen Blick auf die Situation in Kronberg. Dort gestalte sich die Situation ähnlich. So liege der Anteil an Frauen in der Kronberger Stadtverordnetenversammlung liege 33 Prozent. Es gebe also noch deutlich „Luft nach oben“. Es müssten wieder mehr Frauen dazu motiviert werden, sich politisch einzubringen.

Gerade in Zeiten von zunehmendem Rechtspopulismus drohe ferner die Gefahr, dass die Bevölkerung wieder in alte Muster verfalle: zurück zu einem antiquerten Rollenverständnis zwischen Mann und Frau. Dem müsse man mit aller Entschiedenheit entgegentreten, Frauen und Männer. „Umso wichtiger ist, dass gerade auch alle Frauen von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen und die Demokratie in unserem Land schützen“, so die Aufforderung, begleitet von kräftigem Applaus.

Einigkeit herrschte auch, dass Frauen noch mehr gesellschaftliche Unterstützung benötigten, um endgültig für die wirkliche Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau zu sorgen. Oft, so die Erkenntnis, seien Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch leere Worthülsen. Außerdem seien viele Berufe und Führungspositionen weiterhin von Männern dominiert.

Den Frauen werde nichts geschenkt, sie müssten immer wieder Hürden überwinden. „Vielfach fehlen Frauen auch Netzwerke, die sie sich zu Nutzen machen können. Mit so genannten Mentorinnen-Programmen stärken wir die Frauen gerade auf ihrem Weg in die Politik“, betonte Landtagsabgeordnete Elke Barth. Aber Frauen müssten auch verstärkt den Mut entwickeln, Führungspositionen anzunehmen, wenn diese sich bieten würden, führte Schwalbachs Bürgermeisterin Christiane Augsburger aus. 

Kirchenvertreterin Lydia Förster stellte innerkirchliche Programme und Angebote vor, um Frauen in Spitzenpositionen zu unterstützen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Erleichterungen im Berufsalltag für Frauen und Männer sicherzustellen. „Wir müssen alle Frauen mitnehmen, die Erziehungs- und Pflege Arbeit leisten, im Ehrenamt tätig sind, nur so schaffen wir eine Gesellschaft der Vielfalt“, lautete ihre Devise.

Am Ende einer kurzweiligen Diskussion stand auch die Erkenntnis, dass es auf dem Weg zur Chancengleichheit zwischen Mann und Frau „noch viel zu tun“ gebe. Erreichtes müsse weiterhin ausgebaut und vorangebracht werden. „Es darf keine weiteren 100 Jahre dauern, bis von gelebter Chancengleichheit gesprochen werden kann“, beendete Kronbergs Gleichstellungsbeauftragte Heike Stein die Runde und wies auf die begleitende Ausstellung hin

Die Ausstellung, von Kronbergs stellvertretendem Stadtverordnetenvorsteher Christoph König eröffnet, zeigt Bilder Kronberger Politikerinnen aus den unterschiedlichsten Parteien und Wählergemeinschaften und dokumentiert ihren Weg in die Kommunalpolitik und in das ehrenamtliche politische Engagement.

Zu sehen ist die Foto-Ausstellung in der Stadthalle Kronberg noch einschließlich Donnerstag, 20.09.2018 im Foyer. Danach zieht die Ausstellung in der Stadtbücherei, wo sie noch bis zum 31.10.2018 zu den allgemeinen Öffnungszeiten besichtigt werden kann.

Stadtverwaltung Kronberg im Taunus

Andreas Bloching

Stabsstelle Medien & Wirtschaftsförderung

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