Kronberg und Aberystwyth feiern am 31. Juli das 30-jährige Bestehen ihrer Städtepartnerschaft

Eine Freundschaft wie aus dem Lehrbuch


„Ach wären wir doch nur in der Europäischen Union geblieben!“  Zum zehnten Jahrestag des Brexits sind in diesen Tagen auf der Insel vielerorts Katzenjammer und Stoßseufzer zu hören. Von Kronberg aus könnte man da schon versucht sein, den Briten über den Ärmelkanal hinweg zuzurufen: „Hättet Ihr nur mal auf Eure Mitbürgerinnen und Mitbürger in Aberystwyth gehört!“ In der Stadt an der walisischen Atlantikküste hatte sich die Bevölkerung 2016 schließlich klar für einen Verbleib in der EU ausgesprochen und am Ende wohl auch Recht behalten.

Raus aus der EU mussten die Menschen aus „Aber“ aber trotzdem. Der freundschaftlichen Verbundenheit zu ihrer deutschen Partnerstadt Kronberg tat das jedoch keinen Abbruch. Die 1997 mit der Burgstadt im Taunus geschlossene Städtepartnerschaft ist eng und herzlich wie eh und je. Zeigen wird sich das ganz sicher auch wieder Ende Juli, wenn eine große Delegation der walisischen Freunde im Taunus erwartet wird. Gemeinsam will man dort das 30-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft schon einmal vorfeiern, um 2027 dann zeitlich zum Jubiläum passend in Aberystwyth nachzulegen.

Allerdings reicht der Beginn dieser freundschaftlichen Verbindung nach „Aber“ noch sehr viel weiter zurück. Wenn man es ganz genau nimmt, und das sollte man in diesem Fall unbedingt tun, wurde der Grundstein der Partnerschaft bereits Ende der 1960er Jahre gelegt.   

Friedrich „Fritz“ Pratschke, damals Lehrer an der Kronberger Altkönigschule (AKS), war es, der mit einem ersten Schüleraustausch 1968 die Brücke über den Ärmelkanal hinweg zur Penglais Comprehensive School in Aberystwyth schlug. Geprägt durch seine eigenen Erfahrungen von Krieg und Vertreibung in Europa, war es Pratschkes Herzensanliegen, das gegenseitige Kennenlernen und das Verständnis für andere Kulturen nachhaltig zu fördern.

Von dieser Überzeugung angetrieben, machte Pratschke den Schüleraustausch in den kommenden Jahrzehnten zu einer festen Institution an der AKS, die bis heute junge Menschen aus beiden Ländern einander näher- und zusammenbringt. In dieser Zeit reifte bei ihm auch der Wunsch, die wachsende Freundschaft zwischen Walisern und Kronbergern über eine Städtepartnerschaft auf noch breitere Basis zu stellen. Nachdem er 1995 mit einer ganzen Reihe von Mitstreitern im Taunus einen Partnerschaftsverein aus der Taufe gehoben hatte, folgte 1997 die offizielle Verschwisterung der beiden

Städte.

Genau daran wollen die Kronberger am 31. Juli gemeinsam mit ihren Gästen aus „Aber“ erinnern und die langjährige Freundschaft von 18.30 Uhr an mit einem Fest am StadtStrand gebührend würdigen. „Das wird weder eine gesetzte Veranstaltung mit endlos langen Reden noch eine geschlossene Gesellschaft“, unterstreicht Jutta Schrodt, die stellvertretende Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Kronberg-Aberystwyth und gibt auch gleich den Takt für den Abend vor: „Wir wollen einfach nur eine gute Zeit mit unseren Freundinnen und Freunden aus Wales haben. Und wir würden uns sehr freuen, wenn sich möglichst viele Kronbergerinnen und Kronberger zu uns gesellen und mit uns feiern. Den passenden musikalischen Rahmen dafür bringen die Freunde von der Atlantik-Küste gleich mit. Sowohl die walisische Brass-Band als auch der Chor „Sgarmes“ werden an diesem Abend auf dem Berliner Platz zu hören sein. Während sich die Gäste um die Kultur kümmern, steuern die Gastgeber die Kulinarik bei. Und dabei setzen sie unter anderem auf einen echten Frankfurter Klassiker – nämlich Grüne Soße mit hartgekochten Eiern und Kartoffeln. Bewirtung dieses Abends übernehmen gemeinschaftlich die Freunde der Waldsiedlung und das Team des Restaurants „Posthaus“.