Freudenberg, Dillenburg, Herborn, Wetzlar, Braunfels, Limburg an der Lahn, Montabaur, Bad Camberg, Idstein, Hessenpark und Frankfurt Höchst – es ist schon eine wirklich beachtliche Aneinanderreihung von sehens- und vor allem besuchenswerten Orten, in die sich Kronberg seit Beginn des Jahres einfügt.
Das sieht auch Kronbergs Bürgermeister Christoph König so. „Eine ansprechendere Nachbarschaft entlang der Deutschen Fachwerkstraße hätten wir uns wohl kaum wünschen können“, betont der Rathauschef der Burgstadt, getragen von der festen Überzeugung, dass seine Stadt perfekt in diese Reihe passt.
König: „Wenn wir an die besonderen Anziehungspunkte in unserer Stadt denken, kommen uns natürlich zunächst die bekannten Leuchttürme – die Burg, der Opel-Zoo, das Casals Forum oder Schloss Friedrichshof - in den Sinn. Aber auch unsere Altstadt mit ihrer malerischen Kulisse gehört natürlich dazu. Sie ist das aus Holz und Lehmflechtwerk gewachsene Herz unserer Stadt.“ Viele der Häuser erzählten ihre ganz eigene Geschichten, die es mehr als wert seien mit Gästen von überall her geteilt zu werden.
Genau aus diesem Grund habe man sich auch dafür entschieden, sich der Deutschen Fachwerkstraße anzuschließen, unterstreicht Matthias Greilach, Leiter des städtischen Fachreferats Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung, und führt aus: „Die Deutsche Fachwerkstraße ist ohne Zweifel eine der bekanntesten Freizeitrouten unseres Landes. Die typischen, holzbraunen Hinweistafeln an den Ortseingängen sind längst zu echten Aushängeschildern geworden.“
Wer ihrer Einladung folge, der begebe sich auf eine mehr als reizvolle Zeitreise. Greilach: „Die Aura, die diese geschichtsträchtigen Orte umgibt, ist eine ganz besondere. Einerseits strahlt sie diese wohltuende Ruhe und Zeitlosigkeit aus, die man im Urlaub fernab des Alltags sucht. Und andererseits sind unsere Altstädte voller Leben - mit Gastronomie, Geschäften und Kulturangeboten.“ Dass diese einzigartige Strahlkraft die Gäste erreicht – davon sei er absolut überzeugt. Und das umso mehr, als man sie künftig gemeinsam mit den Nachbarn entlang der Fachwerkstraße noch stärker bündeln und gezielter auf die touristische Vermarktung richten könne.
Eine Erwartungshaltung, die Volker Holzberg, Vorsitzender des Marketingausschusses der Deutschen Fachwerkstraße, nachdrücklich teilt. Beim Treffen der Regionalstrecke „Mitte“ im Kronberger Rathaus skizzierte er, wie und wo man in nächster Zeit gemeinsam werben werde. Dass dabei ein Schwerpunkt auf einer weiteren Stärkung des Engagements auf den digitalen Kanälen liegen werde, so Holzberg, sei selbstverständlich.
Das heiße aber nicht, dass man sich im gleichen Atemzug von den klassischen Wegen der Werbung verabschieden werde. Printprodukte oder auch Messeauftritte hätten immer noch ihre nicht zu unterschätzende Wirkung auf die zentralen Zielgruppen.
Welche das sind? Grundsätzlich, so Holzberg, seien es vor allem Kultur- und Denkmalinteressierte, die man in den Blick nehme. Deren Bandbreite allerdings sei groß: Tagestouristen, Wochenendausflügler und Urlauber, Radfahrer und Wanderer, Wohnmobilisten und Genuss-Motorradfahrer, Deutsche und europäische Nachbarn – sie alle ziehe es in die Städte und Gemeinden entlang der Fachwerkstraße.
Diese Erfahrung macht auch Karin Maas, die Sprecherin der Regionalstrecke „Mitte“, tagtäglich. Als Tourismusbeauftragte der Verbandsgemeinde Montabaur und Leiterin der dortigen Tourist-Info sei sie immer wieder überrascht, woher die Gäste kommen und wie groß die Nachfrage zum Beispiel nach der guten „alten“, gedruckten Straßenkarte sei. Die gebe es farblich abgestimmt für jede Regionalstrecke der Fachwerkstraße auf Deutsch, Englisch und auch Niederländisch. Schließlich seien gerade die Benelux-Länder ein wichtiger touristischer Quellmarkt.
Gleichermaßen gefragt, so Maas, seien nach wie vor Stadtführungen, gerne auch ganz spezifisch rund ums Fachwerk. Entsprechende Schulungen zu diesem Themengebiet bietet die Arbeitsgemeinschaft für Interessierte aus den jeweiligen Mitgliedskommunen regelmäßig.
Ein Angebot, auf das die Stadt Kronberg in nächster Zeit sicher gerne zurückkommen werde, unterstreicht Matthias Greilach. Schließlich sei man ohnehin gerade dabei, die Führungen durch die Burgstadt personell wie konzeptionell neu aufzustellen.
Was die Kronberger Altstadt an Geschichte und Geschichten zu bieten hat, das erfuhren die anderen Anrainer der „gelben Strecke“ im Anschluss an ihr Treffen. Und das aus erster Hand. Horst Neugebauer, über fast drei Jahrzehnte Gesicht und Seele des heimischen Fremdenverkehrs, führte die Gäste durch „seine“ Stadt.
Hinweis Kronberger Fachwerk: Obschon in seiner langen Geschichte immer wieder von verheerenden Bränden heimgesucht, ist die Kronberger Altstadt noch heute ein aus Fachwerk zusammengefügtes Schatzkästchen. Ein glücklicher Umstand, den Kronberg vor allem dem handwerklichen Geschick von Zimmerleuten aus dem 17. und 18. Jahrhundert verdankt. Sie haben die Stadt immer wieder aufgebaut und noch vorhandene Gebäudeteile in Neubauten integriert. Das Fachwerk, das heute an den meisten Häusern im Herzen der Burgstadt zu sehen ist, hat keine tragende Funktion, sondern diente schon beim Bau in erster Linie als Schmuck und Zier.
Es gibt allerdings auch noch einige, wenige Häuser, die noch sehr viel weiter in die Geschichte der Stadt zurückweisen. Bestes, weil ältestes Beispiel dafür ist das ehemalige Gasthaus „Zum Löwen“ in der Eichenstraße, in dem Gäste wohl schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts bewirtet wurden. Etwa 100 Jahre jünger, aber nicht minder geschichtsträchtig sind die „Drei Ritter“ – ein besonders repräsentativer Fachwerkbau unweit des Aufgangs zur Burg, der den Kronbergern in der Vergangenheit zeitweise als Rathaus diente.
„Diesen Schatz zu erhalten und zu pflegen ist eine Herzensangelegenheit vieler Kronbergerinnen und Kronberger“, betont der Rathauschef. Das große Engagement, das damit verbunden sei, könne gar nicht hoch genug geschätzt werden. Ganz aktuell zeige sich das zum Beispiel am Haus Hembus in der Friedrich-Ebert-Straße, das mit viel Liebe zum Detail saniert werde.
„Als Dezernent, dessen Metier das Bauwesen ist, bin ich beim Gang durch unsere Stadt stets aufs Neue davon beeindruckt, mit welcher Kunstfertigkeit und welchem Wissen Handwerker vor vielen hundert Jahren Gebäude geschaffen haben, die uns bis heute nicht nur als stumme Zeitzeugen, sondern als Zuhause dienen“, unterstreicht Kronbergs Erster Stadtrat Heiko Wolf. Wie wertvoll und lebenswert es ist, dieses Erbe zu wahren und zu erhalten – auch das, so Wolf, sei eine Botschaft, die Kronberg mit seiner Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft „Deutsche Fachwerkstraße“ nach draußen tragen wolle.
Hinweis Deutsche Fachwerkstraße: Die Deutsche Fachwerkstraße zählt zu den bedeutendsten touristischen Kulturstraßen Deutschlands. Seit ihrer Gründung im Jahr 1990 verbindet sie auf über 3.900 Kilometern mehr als 100 Mitgliedsstädte in acht Bundesländern – von der Elbe bis zum Bodensee. In acht Regionalstrecken präsentiert sie die architektonische Vielfalt deutscher Fachwerkbaukunst und macht jahrhundertealte Stadtgeschichte erlebbar. Mit mehr als 2,5 Millionen Fachwerkgebäuden deutschlandweit steht das Fachwerk wie kaum eine andere Bauform für kulturelles Erbe, regionale Identität und handwerkliche Tradition. Unter dem Motto „Fachwerk verbindet“ vereint die Deutsche Fachwerkstraße Kultur, Architektur, Tourismus und regionale Lebensart.



