Städtisches Umweltreferat lädt Öffentlichkeit zur Teilnahme an digitaler Bestandsaufnahme der Tier- und Pflanzenwelt ein 

Mit Spielplatz-Safari das Schwarmwissen vergrößern


Wer schon immer einmal auf Safari gehen wollte, aber den langen Flug oder die oft nicht unerheblichen Kosten scheute, dem bietet sich jetzt auf dem Oberhöchstädter Spielplatz in der „Friedensstraße“ die Gelegenheit, quasi vor der Haustür auf Foto-Pirsch zu gehen. Denn auch dort gibt es – abseits des eigentlichen Spielplatzbesuchs- Leben, und sogar reichlich davon. Insekten vieler Arten, Singvögel und eine große Zahl an unterschiedlichen Pflanzen sind hier zu finden, seitdem der Spielraum vor fünf Jahren naturnah neugestaltet wurde.

Was im Einzelnen auf dem Spielplatz alles so kreucht und fleucht – das möchte die Stadt in den kommenden Wochen genauer in Erfahrung bringen. Und dabei baut sie auf die Unterstützung all jener, die ein Herz für Mutter Natur und ein Smart-Phone mit der App „iNaturalist“ darauf haben. Denn mit diesem digitalen Helferlein lassen sich Pflanzen und Tiere anhand eines Fotos nicht nur auf Knopfdruck bestimmen, sondern auch gleich auf einer virtuellen Karte mit einem Ort verknüpfen – im konkreten Fall mit dem Spielplatz in der Friedensstraße.

„Wir laden alle großen und kleinen Naturfreunde und alle, die es werden wollen, herzlich dazu ein, bei unserem Projekt mitzumachen und so das Schwarmwissen in unserer Stadt mit Informationen zu füttern“, unterstreicht Yonne Richter, die Leiterin des Umweltreferats der Stadt Kronberg im Taunus.

 „Citizen Science“ – was sich etwas holprig mit  „Bürgerwissenschaft“ übersetzen lässt – nennt man den dahinter stehenden und Gedanken, die Öffentlichkeit aktiv in wissenschaftliche Forschungsprojekte einzubinden. Eine Form der Kooperation die, so Richter, dank der digitalen Medien heute bereits in vielen Bereichen der Forschung erfolgreich praktiziert werde. In Oberhöchstadt startet das Projekt am Montag, 4. Juni 2026, und endet am 31. August. Ergebnisse und Fotos der Aktion werden am Sonntag, 20. September 2026, auf dem Kronberger Apfelmarkt vorgestellt.

Erste Beobachtungen auf dem Spielplatz wurden bereits gemacht und in die virtuelle Karte eingetragen. Da gibt es Käfer wie den Gefleckten Schmalbock oder den Grünen Scheinbock, die Blut- wie auch die Seidenbiene und eine Vielzahl an Pflanzen wie den Scharfen Mauerpfeffer oder den Quirlblütigen Salbei.

Die teils schrillen Namen sind aber längst nicht alles, was einem bei näherer Betrachtung ins Auge fällt. Richter: „Wer sich die Tier- und Pflanzenwelt etwas genauer ansieht, der ist schnell fasziniert von der Vielfalt an Arten, Formen und Farben, die das Leben auf einer Wiese, in einem Baum oder auch auf einer vermeintlich unwirtlichen Sandfläche bietet.“

Abgesehen davon, dass das städtische Umweltreferat sich über das Projekt weitere Informationen über den Artenreichtum auf dem Spielplatz erhofft, erfahren auch die Teilnehmenden einiges über die Tiere und Pflanzen, die sie in den Fokus nehmen. „Die App verknüpft die entdeckten Arten direkt mit dem dazu passenden Eintrag in der Wikipedia, gibt Auskunft über deren Lebenszyklen, Verbreitungsgebiete und auch darüber, ob ihr Bestand gesichert oder gefährdet ist“, erklärt David Pálfi. Als Mitarbeiter im städtischen Umweltreferat koordiniert der Diplom-Ingenieur für Landschaftsarchitektur das kleine Forschungs-Projekt, das er bei entsprechender Resonanz gerne noch auf andere Orte in der Stadt ausweiten würde. Wichtig dafür jedoch sei, dass alle Teilnehmenden sich an bestimmte, eigentlich selbstverständliche Spielregeln halten.

Pálfi: „Abstand wahren ist oberste Forscher-Pflicht. Es gilt, das Leben auf dem Spielplatz zu respektieren und nicht zu stören.“ Der Fokus müsse auf Flora und Fauna im natürlichen Umfeld liegen. Weder dürften  Insekten gefangen noch Pflanzen ausgerissen werden, um ein Foto zu machen. „Der Zoom der Handykamera reicht immer aus, um die Beobachtung festzuhalten und zu analysieren“, mahnt der Projekt-Leiter zur Rücksichtnahme.

Die gelte es in ganz besonderem Maße gegenüber den Mitmenschen zu wahren. Pálfi: „Ohne Erlaubnis die großen und vor allem die kleinen Besucherinnen und Besuchern des Spielplatzes zu fotografieren, ist grundsätzlich ein absolutes No Go. Wir bitten alle nachdrücklich darum, dies zu beherzigen. Wer sich daran nicht hält, läuft sogar Gefahr, sich strafbar zu machen.“

Darauf wie auf alles andere, was man wissen sollte, um mitzumachen, werde auch noch einmal explizit auf der städtischen Homepage (www.kronberg.de) hingewiesen. Pálfi: „Hier finden Interessierte nicht nur einen Link zu den jeweiligen App-Stores, in denen die kostenfreie App heruntergeladen werden kann, sondern auch einen Hinweis auf den nach Maßstäben der DSGVO eingeschränkten Datenschutz.“ Da die Nutzung der App wie auch die Teilnahme am Projekt selbstverständlich auf freiwilliger Basis erfolge, seien Nutzerinnen und Nutzer gebeten, sich selbst ein Bild davon zu machen, ob die App den eigenen Ansprüchen an Datenschutz genüge oder nicht.

Hinweis: Der Spielplatz in der Oberhöchstädter Friedensstraße ist auch Ziel einer besonderen Gartenführung, zu der die „KulturRegion FrankfurtRheinMain“ für Dienstag, 9. Juni 2026, einlädt. Um 17.30 Uhr trifft man sich im Kronberger Stadtteil, um sich gemeinsam ein Bild vom naturnah gestalteten Spielplatz in der Friedensstraße und dem insektenfreundlich gestalteten Marianne- und Heinz-Haimerl-Platz zu machen. Beide Orte hatten es nämlich im vergangenen Jahr beim von der KulturRegion ausgelobten Fotowettbewerb „Blühende Gärten“ aufs Treppchen geschafft. Während der Spielplatz in der Kategorie „Kommunale Grünflächen“ auf Platz 1 landete, brachte es der Marianne- und Heinz-Haimerl-Platz auf den dritten Rang. Was die beiden Grünflächen aus Sicht der Jury auszeichnet, das wird am 9. Juni im Rahmen der Begehung aufgezeigt. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich anzuschließen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung per E-Mail an grm@krfrm.de ist erforderlich.