Wirtschaftliche Entwicklung

Wirtschaftliche Entwicklung


Der seit dem Mittelalter dominierende Weinanbau in Kronberg wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts wegen Unrentabilität aufgegeben und durch Obstanbau, oft im Nebenerwerb, abgelöst. Die Weinberge mit den vielen Kleinstparzellen wurden zu Baumschulen, auf denen vor allem Apfel- und Birnbäume in großer Sortenvielfalt kuliviert wurden. Auch Steinobst wurde angebaut, neben Kirschen vor allem Mirabellen. Die Podukte wurden frisch in Frankfurt abgesetzt, aber auch gedörrt weithin versandt. Bedeutende Impulse erhielt dieser Wirtschaftszweig durch Johann Ludwig Christ, der von 1786 bis 1813 evangelischer Pfarrer in Kronberg war. Christ war Naturforscher und angesehener Obstbaufachmann, der hier ideale Bedingungen für seine Bemühungen um Verbesserungen der Obstzucht vorfand. Er betrieb in Kronberg zwei Baumschulen mit Versandhandel und verhalf so diesem Wirtschaftszweig zu weiterreichender Bekanntheit.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erfolgten erneut einschneidende Veränderungen. Edelkastanien, seit Jahrhunderten ein angesehenes Kronberger Produkt, verloren angesichts des Angebots aus Italien ihre Bedeutung. Außerdem wuchs die Konkurrenz durch andere obstanbauende Gemeinden. Die relativ kleinen Baumschulparzellen konnten die Anforderungen des Handels nicht ausreichend  bedienen.
Seit 1882 machten sie dem Erdbeeranbau Platz. Landverlust durch Landverkauf an Villenerbauer schuf den Anreiz und verschaffte das Betriebskapital für diese das Land intensiver nutzende Obstkultur. Sie etablierte die "Kronberger Erdbeere" in der Region als Markenartikel, der bis zum Zweiten Weltkrieg wirtschaftliche Bedeutung hatte.

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Johann Ludwig Christ, Pomologe und evangelischer Oberpfarrer in Kronberg
(1739-1813)

Markenartikel und frühes Stadtmarketing

Handwerkszweig von prominter Bedeutung in Kronberg war das Schlosserhandwerk, dessen über den hiesigen Bedarf hinaus hergestellten Produkte im Frankfurter Raum abgesetzt wurden.

Fremdenverkehr im weitesten Sinn war seit dem 18. Jahrhundert ein Faktor im Kronberger Wirtschaftsleben, galt Kronberg doch Frankfurtern als Ausgangspunkt und Einkehr bei Ausflügen in den Taunus. Die Bedeutung als Ausflugsort verstärkte sich mit der Eröffnung der von einer privaten Eisenbahngesellschaft betriebenen Eisenbahnlinie "Kronberg-Rödelheim" 1874. Diese Anbindung erschloss einerseits den Kronbergern erweiterte Erwerbsmöglichkeiten, erleichterte den Absatz ihrer Produkte und machte andererseits Kronberg für eine Menge von Besuchern zu einem leicht erreichbaren, für die hiesige Gastronomie lukrativen, Ausgangspunkt von Ausflügen der Städter in den Taunus. Zumal seit etwa 1900 der Wintersport im Taunus den Sommertourismus ergänzte.

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"Eiserner Kasten" - Meisterstück eines Kronberger Schlossers

Rodelbahn Victoriastraße 1909


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