Der Zahn der Zeit hat der großen Freitreppe, die vom Grundweg zum Friedhof Thalerfeld hinaufführt, sichtlich zugesetzt. Wind, Wetter und der Umstand, dass sie über Jahrzehnte sinnvollerweise mit Füßen getreten wurde, haben die Stufen in Teilen gelockert. Moos hat sich an vielen Stellen über den Beton gelegt, Gras wächst aus den Fugen – verkehrssicher sieht das nicht aus und ist es auch nicht.
Genau deshalb hatte die Stadt den größten Teil der Anlage bereits vor einiger Zeit gesperrt. Nur ein schmaler, trittsicherer Abschnitt wurde freigelassen, um den Zugang zum Friedhof von der Talseite aus weiter zu ermöglichen. Eine Dauerlösung konnte und sollte das nicht sein.
Dass sie dennoch sehr viel länger Bestand hatte als von allen Beteiligten gewünscht, hatte nur einen, aber dafür einen gewichtigen Grund: die Kosten. „Ursprünglich hatten wir eine Komplettsanierung der Treppenanlage geplant und 2025 auch ausgeschrieben. Das Ergebnis dieser Ausschreibung jedoch überstieg unsere Erwartungen erheblich“, unterstreicht Kronbergs Erster Stadtrat und Baudezernent, Heiko Wolf. Sei man aufseiten der Stadt von Kosten bis maximal 400.000 Euro ausgegangen, so habe selbst das günstigste Angebot der an der Ausschreibung teilnehmenden Unternehmen bei über einer halben Million Euro gelegen. Deutlich zu viel für den eigentlichen Zweck - da waren sich Stadtverwaltung und politische Gremien schnell einig. Wolf: „Als Konsequenz daraus mussten wir unsere Planungen noch einmal auf null setzen und eine andere, kostengünstigere Lösung suchen.“
Fündig sei man letztlich vom Tal aus betrachtet rechts des Friedhofs geworden. Denn hier führt bereits ein asphaltierter Abzweig des Grundwegs zum Friedhof hinauf. Erschloss dieser Abschnitt bislang vor allem die unteren Parkplätze, sollen Besucher auf diesem Weg künftig auch seitlich auf den Friedhof gelangen können.
Auf halber Strecke, so Kronbergs Erster Stadtrat, werde dazu eine neue, deutlich kleinere Treppenanlage geschaffen. Wolf: „Das spart nicht nur Meter und Treppensteigen, sondern auch bares Geld.“ Statt mehr als eine halbe Million Euro in die Sanierung der steilen Freitreppe zu stecken, schlage diese Variante mit etwas über 340.000 Euro zu Buche. Und auch davon werde laut Wolf nur etwas mehr als die Hälfte aus dem Stadtsäckel zu bezahlen sein. Bis zu 145.000 Euro an Fördermitteln seien über das Bundesprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ (NKK) zugesagt. Wolf: „Ich denke, dass wir auf diesem Weg eine im mehrfachen Sinne gangbare Lösung gefunden haben, und freue mich sehr, dass es jetzt losgeht.“
Hinweis: Künftige Lösung ist günstiger für die Stadtkasse und das Klima
Warum die Stadt bei der Neugestaltung des Zugangs zum Friedhof „Thalerfeld“ in den Genuss von Fördermitteln aus einem Klimaschutztopf kommt? Die Antwort gibt Marcel Homrighausen, Mitarbeiter des städtischen Umweltreferats und Projektverantwortlicher: „Indem wir die bisherige Treppenanlage komplett zurückbauen und den Hang naturnah umgestalten, entsiegeln wir eine Fläche von rund 700 Quadratmetern und tun damit aktiv etwas für den Klimaschutz.“ Geplant sei, zum Grundweg hin eine extensive Blühwiese zu schaffen und von dort aus zum Friedhof hin aufsteigend Stauden, Sträucher und sieben Einzelbäume zu pflanzen. Ein besonderes Augenmerk werde dabei auf die Verwendung von klimaresilienten und heimischen Arten gelegt.
Vergeben wurden die Arbeiten an die Odenwäller Garten- und Landschaftsbau GmbH aus Bruchköbel, die zunächst mit dem Abbruch und der Entsorgung der alten Treppenanlage beginnen wird. Homrighausen: „Einzig die beiden Betonwannen links und rechts des Aufgangs bleiben erhalten und werden im Zuge der Neugestaltung in den Hang eingebettet. Auch das spart Kosten gegenüber Abbruch und Entsorgung.“
Für die Betonelemente, die entnommen werden müssten, habe man wiederum eine Ressourcen schonende Lösung der Entsorgung gefunden. Homrighausen: „Wir greifen hier auf den Recycling-Service der Firma Rinn zurück. Dort werden die Treppenteile nachhaltig entsorgt, wieder aufbereitet und als Rohstoff in die Gewinnung neuer Produkte einfließen.“
Im Anschluss an den Rückbau der alten Treppenanlage werde man in einem zweiten Schritt daran gehen, den neuen Zugang an der Westseite des Friedhofs zu schaffen. Hier ist vorgesehen, eine neue elfstufige Treppe zu schaffen, über die die Besucher, die vom unteren Parkplatz kommen, auf den Friedhof gelangen. Zur Einfassung der Treppe wird zur Rechten auf einen bereits vorhandenen Mauerwinkel zurückgriffen. Links wird über L-Steine eine zweite Treppenwange eingesetzt. Homrighausen: „Beide Seiten werden mit Handläufen versehen und beleuchtet. Zudem werden an den Zugängen zur Treppe vom Friedhof wie vom Grundweg aus ebene Flächen geschaffen, um den Einstieg zu erleichtern.“ In Anbetracht des ansteigenden Aufgangs von den unteren Parkplätzen werde ein weiterer Handlauf vom Parkplatz kommend bis zum neuen Treppenaufgang installiert.
Der Topografie trage man zudem Rechnung, so der Projektverantwortliche, indem man – wie bei der bisherigen Treppe – auch bei dem neuen Aufgang bewusst auf einen barrierefreien Ausbau verzichte. Homrighausen: „Die Behindertenparkplätze befinden in ihrer Gesamtheit ohnedies im oberen Bereich des Friedhofs und sind von dort aus ebenerdig erschlossen“.
Wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen komme, sollten der Rückbau der bisherigen Treppenanlage und die anschließende Schaffung des neuen Zugangs bis Ende Februar 2027 abgeschlossen sein. Um das dafür erforderliche Material wie auch die Baumaschinen vorzuhalten, so Homrighausen, werde die obere der beiden am Grundweg gelegenen Parkflächen gesperrt. Die Besitzer der Fahrzeuge und Bootsanhänger, die dort abgestellt seien, versuche man über das Ordnungsamt ausfindig zu machen und zu informieren. „Besucher des Friedhofs bitten wir, bis zur Schaffung des neuen Zugangs die beiden verbleibenden Zuwegungen im Norden und Osten der Anlage zu nutzen“, betont Marcel Homrighausen verbunden mit der Bitte um Verständnis dafür, dass im Zuge der Arbeiten auch der rechts an den Parkplätzen vorbeiführende Abzweig des Grundwegs zeitweise nicht genutzt werden könne.


