Sein ganzes Erwachsenenleben hat man mit beiden Beinen im Leben gestanden, hat Kinder großgezogen, gearbeitet, sich in Vereinen oder im Gemeinwesen engagiert und oft noch um andere gekümmert. Und dann stellt einen das Älterwerden mit einem Mal zunehmend vor Herausforderungen, die man selbst nicht mehr im Alleingang lösen kann. Das für sich anzunehmen, ist schon nicht einfach. Die Unterstützung anderer zu suchen, fällt mitunter noch schwerer.
„Die öffentliche Hand, aber auch Wohlfahrtsverbände und andere Organisationen bieten hier in vielfacher Hinsicht Unterstützung. Allein, wir erleben es in unserer täglichen Arbeit leider immer wieder, dass Betroffene diese Hilfe nicht in Anspruch nehmen“, unterstreicht Annika Carstens, Leiterin des Fachreferats „Soziales, Senioren und Integration“ im Kronberger Rathaus. Ein Grund dafür sei sicher, dass die Wege zur Hilfe nicht jedem bekannt und nicht immer ganz gradlinig seien.
Hinzukomme jedoch noch ein sehr viel grundsätzlicheres Problem, das auch Britta Markloff nur zu gut kennt. „Die Betroffenen trauen sich nicht ‚zum Amt‘ zu gehen. Sie schämen sich nicht selten sogar, obwohl sie ein Anrecht darauf haben“, ergänzt die Leiterin des städtischen Fachbereichs „Soziales, Kultur & Bildung“.
Hier soll und will ab sofort Carmen Janton ansetzen. Seit Anfang Oktober offiziell als ehrenamtliche Kronberger Seniorenbeauftragte im Einsatz, möchte sie älteren Kronbergerinnen und Kronbergern künftig zur Seite stehen, ihnen bei Bedarf Wege zur Hilfe aufzeigen und vor allem auch mögliche Hemmschwellen auf diesen Wegen abbauen.
Seit 1981 zunächst in Oberhöchstadt und heute in Schönberg zuhause, bringt die 63-Jährige dafür bereits einiges an Hintergrundwissen und Erfahrungen mit. „Ehrenamtliches Engagement war und ist schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens“, unterstreicht Janton, die in der Burgstadt nicht zuletzt über ihr Wirken im Sozialverband VdK hinterlegt sein dürfte.
Von 2017 bis 2025 hatte sie im Kronberger Ortsverband den Vorsitz inne, engagierte sie sich zudem im Kreis- und Bezirksvorstand. Janton: „Wie stelle ich einen Rentenantrag? Wie beantrage ich Schwerbehindertenausweise, Wohngeld oder Grundsicherung? Fragen wie diese haben mich schon in meiner Zeit beim VdK regelmäßig beschäftigt. Das sollte mir in meiner neuen Aufgabe als Seniorenbeauftragte sicherlich von Nutzen sein.“
Darüber hinaus habe sie in der Vergangenheit auch beruflich immer wieder Einblick in das Dasein älterer Menschen und die damit verbundenen Herausforderungen gewonnen. Noch dazu aus unterschiedlichen Perspektiven. Während ihr Themen wie „Pflege“ und „Heimleben“ aus ihrer Zeit im Hauswirtschaftsbereich einer Senioreneinrichtung sehr wohl vertraut seien, habe sie über das Ausfahren von Mittagessen für das Haus Altkönig regelmäßig Kontakt zu meist alleinlebenden Seniorinnen und Senioren gehabt. Janton: „Es reicht aber auch schon ein Blick in die eigene Nachbarschaft, um zu erkennen, was das Leben im Alter aus- und nicht selten auch beschwerlich macht.“
Dabei könne man oft schon mit kleinen Handreichungen und Beratungsangeboten einiges dazu beitragen, die Folgen des Älterwerdens für die Betroffenen etwas abzufedern. Und genau dabei möchte die neue Kronberger Seniorenbeauftragte helfen – allerdings nicht allein. Für Carmen Janton wie auch für die Verantwortlichen der Stadt ist diese Aufgabe alles andere als eine „One-Woman-Show“. Die Einbindung in das in Sachen „Seniorenarbeit“ bereits bestehende stabile Netzwerk in Kronberg und der regelmäßige Austausch mit allen Beteiligten ist essenziell.
„Wir sind froh und dankbar, dass es in unserer Stadt eine so große Zahl an Institutionen und Menschen gibt, die sich im Haupt- und vor allem auch im Ehrenamt der älteren Kronbergerinnen und Kronberger annehmen“, betont Bürgermeister Christoph König. Von der ökumenischen Diakonie-Station über die heimischen Senioreneinrichtungen und den Seniorenbeirat bis hin zu den Angeboten der Kirchen und der Stadtverwaltung, so der Rathauschef, gebe es eine Vielzahl an Anlaufstellen, an die sich ältere Menschen mit ihren Anliegen wenden könnten. König: „Dass wir jetzt wieder eine Seniorenbeauftragte in unseren Reihen begrüßen dürfen und demnächst wohl auch die Aufgabe der Behindertenbeauftragten neu vergeben werden, wertet das Angebot weiter auf.“
Für Carmen Janton heißt es jetzt erst einmal, sich bekannt zu machen. Zum einen bei den anderen Akteuren im Netzwerk, zum anderen und vor allem aber bei den Kronberger Seniorinnen und Senioren. Schließlich, dessen ist sich Janton mehr als bewusst, hänge der Erfolg ihrer Arbeit maßgeblich vom persönlichen Kontakt und dem Vertrauensverhältnis ab, das sie zu ihren Klientinnen und Klienten aufbauen möchte.
Nutzen will sie dazu unter anderem Veranstaltungen im Ernst-Winterberg-Haus wie auch das nächste Adventscafé in Schönberg. Wer Unterstützung sucht und ein Telefonat oder einen Hausbesuch der Seniorenbeauftragten wünscht, kann sich zudem per E-Mail unter soziales@kronberg.de sowie unter der Rufnummer (06173) 7031390 beim städtischen Fachreferat „Soziales“ melden. Die Mitarbeitenden dort stellen dann den Kontakt zu Carmen Janton her.
