Informationen zum Haushalt

Haushaltsbericht auf einem Schreibtisch liegend
KI-generiert


Im Jahr 2009 hat die Doppik das über Jahrzehnte praktizierte kamerale Rechnungswesen abgelöst. Heute besteht der Kronberger Haushaltsplan aus den Gesamtplänen, Teilhaushalten und den in Produkten dargestellten Dienstleistungen der Stadt.

Der doppische Haushalt basiert auf anderen gedanklichen Ansätzen als die kameralen Haushalte der Vergangenheit. Strategisches und operatives Management und eine entsprechende Zielplanung sowie konkrete Budgetverantwortung spielen die wesentliche Rolle bei seiner Umsetzung.

Rede zur Einbringung des Haushalts 2027

  • Rede zur Einbringung des Haushalts 2027

    Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher,
    meine sehr geehrten Damen und Herren,

    hinter uns liegen Wochen intensiver, ernsthafter und anspruchsvoller Haushalts­beratungen – und das, obwohl Sie, die Mitglieder der Stadtverordneten­versammlung, noch nicht einmal damit begonnen haben.

    Erst in seiner Sitzung am vergangenen Montag hat der Magistrat mit seinem Beschluss den Weg freigemacht für den Etat-Entwurf 2027, den wir Ihnen am heutigen Abend vorlegen. Wie Sie wissen, wollten wir dies eigentlich schon am 1. Oktober getan haben.

    Ich übertreibe sicher nicht, wenn ich sage, dass die Stadträtinnen und Stadträte es sich selbst wie auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung nicht leicht gemacht haben. Und das sage ich an dieser Stelle mit dem Ausdruck großer Wertschätzung.

    Denn es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, in solch herausfordernden Zeiten den finanziellen Handlungsrahmen für die kommenden Jahre abzustecken. Dies erfordert eben auch eingehende Beratung, gewissenhafte Analyse, sorgsames Abwägen und kritisches Hinterfragen. All das dürfen und müssen die Kronbergerinnen und Kronberger heute mehr denn je von uns allen hier, die wir in der Verantwortung für unser Gemeinwesen stehen, erwarten. Und das können sie auch. Davon bin ich überzeugt.

    Ausgangslage

    Kommen wir zu den Inhalten. Und lassen Sie es mich gleich zu Anfang klar sagen: Ja, uns in Kronberg wird es im Vergleich zu vielen anderen Kommunen auch 2027 noch gut gehen. Aber unsere Stadt ist keine Insel der Glückseligkeit im stürmischen Meer der Kommunalfinanzen. Daher liegt die Betonung in diesem Satz auf „noch“.

    Die deutschen Städte und Gemeinden befinden sich einer Finanzkrise, wie sie unser Land noch nicht gesehen hat.

    Nur um Missverständnissen vorzubeugen – ja, wir hatten auch schon in der Vergangenheit schwierige Haushaltslagen. Diejenigen von Ihnen, die so wie ich schon lange in der Kommunal­politik engagiert sind, werden vor allem noch die Finanzkrise der 2000er-Jahre in – wenn man das überhaupt so sagen kann – „guter“ Erinnerung haben.

    Der massive Einbruch bei den Gewerbesteuern hatte damals landauf, landab enorme Lücken in die kommunalen Haushalte gerissen und uns hier in Kronberg wie viele andere Städte und Gemeinden zu einem restriktiven Sparkurs und spürbaren Steuererhöhungen veranlasst.

    Damals warnte der Deutsche Städtetag vor einem „Rekorddefizit“ bei den Gemeinden in Höhe von fast 15 Mrd. €.

    Zum Vergleich: Das Statistische Bundesamt hat gerade erst in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass das Finanzierungsdefizit der deutschen Kommunen im 1. Halbjahr 2026 bei 20,1 Mrd. € lag. Und das im zweiten Jahr in Folge. Das Finanzierungsdefizit der hessischen Kommunen allein beläuft sich für 2025 auf 2,4 Mrd. €.

    Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Bund und Land den Kreisen und Kommunen Jahr um Jahr neue Aufgaben übertragen, ohne auch nur ansatzweise für eine ausreichende Finanzierung oder auch nur für Planungssicherheit zu sorgen.

    Der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuungsanspruch, in mehreren Stufen eingeführt. Die bis heute ungeklärte Finanzierung des Paktes für den Ganztag. Die Elternfreistellung von Kita-Gebühren, ein wichtiger Baustein in unserer Kita-Kostenkalkulation, ist übrigens Stand heute (22. Oktober) für die Zeit ab dem 1. Januar 2027 nicht geregelt.

    Die unklare Gegenfinanzierung des Deutschlandtickets, das bei den ÖPNV-Betreibern für massive Einnahmeverluste bei den Monats- und Jahreskarten gesorgt hat.

    Das sind nur wenige Beispiele aus unterschiedlichen Bereichen.

    Und wenn Sie fragen: Was hat die Belastung der Landkreise, z. B. aus Sozialleistungen, Flüchtlingsversorgung oder Klinikbetriebskosten, mit uns zu tun? – Die Antwort ist einfach: Die einzige selbst beeinflussbare Finanzierungsquelle der Landkreise sind die Kreis- und Schulumlagen.

    Die kommunalen Spitzenverbände drängen in immer schrilleren Tönen auf eine Änderung dieser Praxis – ohne irgendeinen messbaren Erfolg.

    Stabile Erträge

    Zurück nach Kronberg. Ich habe eingangs gesagt: Uns in Kronberg geht es im Vergleich zu vielen anderen Kommunen noch gut. Das liegt vor allem daran, dass wir auf eine stabile Einnahmeseite bauen können.

    Unsere Haupteinnahmequellen sind seit einigen Jahren auf hohem Niveau stabil. Und nichts anderes werden sie auch an den Haushaltsansätzen für 2027 ablesen können.

    Bei der Einkommensteuer kalkulieren wir für das kommende Jahr mit einem Anteil von 21,3 Mio. € gegenüber 21,4 Mio. € in 2026. Ähnlich sieht es bei der Gewerbesteuer aus: Nach 33,4 Mio. € in diesem Jahr sehen wir ihn für 2027 bei 33,3 Mio. €. Für den Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer haben wir – den Planungs­vorgaben des Landes folgend – sogar ein Anwachsen von 3,9 Mio. € auf 7,6 Mio. € im nächsten Jahr veranschlagt.

    Wir müssen aber dafür sorgen, dass unsere Einnahmeseite verlässlich bleibt. Darauf komme ich noch zurück.

    Steigende Aufwendungen

    Unseren stabilen Einnahmen stehen jedoch – und das ist die eigentliche Herausforderung, mit der sich Kämmerer und Gremien in diesen Tagen überall im Land konfrontiert sehen – steigende Aufwendungen gegenüber.

    Und diese Steigerung geht leider nicht im Gleichschritt mit den Einnahmen. Sie läuft uns vielmehr davon.

    Für das kommende Jahr planen wir mit Aufwendungen in einer Gesamthöhe von fast 84,5 Mio. €, etwa 0,8 Mio. € mehr als im Vorjahr.

    Zum Vergleich: 2022, vor fünf Jahren, waren das noch 59,8 Mio. €. In fünf Jahren also eine Steigerung um gut 40%. Allerdings nicht, weil wir in Kronberg auf großem Fuß leben oder es nicht verstehen, vernünftig zu haushalten.

    Die wesentlichen Kostentreiber lassen sich in drei Gruppen zusammen­fassen: Personalkosten, Umlagen, Baukosten.

    Personalkosten

    Schauen wir zunächst auf die Personalaufwendungen. Auch wenn sich die Zahl der Mitarbeite­rinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung in den letzten Jahren nicht mehr erhöht hat, sind die Kosten in Folge der allgemeinen Tarifentwicklung weiter gestiegen und steigen weiter.

    In den letzten zehn Jahren sind die Personalkosten je Vollzeitstelle von rund 65.000 € auf rund 87.000 €, also um 33,8% gestiegen – das ist etwas weniger als der Nominallohnindex im gleichen Zeitraum (38%).

    Um hier nicht den geringsten Raum für Missverständnisse zu bieten. Die Menschen, die für uns alle arbeiten – sei es in der Verwaltung, in den Kitas oder bei den Stadtwerken – machen einen tollen Job. Wir brauchen jede und jeden Einzelnen. Und sie alle haben eine angemessene Entlohnung verdient, mit der sie für sich und ihre Familien ein zumindest finanziell einigermaßen sorgenfreies Leben sicherstellen können.

    Neben den fast 16 Mio. € direkter Personalkosten im Haushalts­ansatz für 2027 sind in den Betriebskosten der nichtstädtischen Kitas nochmal zwischen 6 und 7 Mio. € und in den Stadtwerkeleistungen weitere rund 1,8 Mio. € indirekter Personalkosten enthalten, die natürlich der gleichen Logik unterliegen. Und so bildet diese Gruppe mit rund 24 Mio. € einen der größten Kostenanteile in unserem Haushalt.

    Wobei die Steigerung in diesem Bereich nicht über dem Durchschnitt unserer Einnahmen liegt. Wie man daran erkennen kann, ist der Anteil der direkten Personalkosten am Gesamt­aufwand mit 19% seit Jahren sehr stabil.

    Sie haben im vergangenen Jahr den Magistrat beauftragt, ein Konzept für einen Personal­abbau um jährlich 2% – macht etwa vier Stellen – vorzulegen. Hieran arbeiten wir aktuell und werden Ihnen dazu in den HFA-Beratungen berichten. Wobei ich schon jetzt der Hoffnung vorbeugen möchte, dass ein solches Konzept – zumal wenn man vorzugsweise auf die normale Personalfluktuation setzen will – kurzfristig in der Zeile 11 Auswirkungen zeigt.

    Personalersparnis als Folge von Neuorganisation, Verbesserung von Prozessen und verstärkter Digitalisierung macht sich nicht von alleine, sondern muss erarbeitet werden. Wir stellen uns dieser Aufgabe. In allen anderen Fällen steht vor dem Personalabbau die Entscheidung, welche Leistung wir künftig nicht mehr brauchen oder uns nicht mehr leisten können. Und diese Entscheidung muss – nach unserer Vorarbeit – von der Politik getroffen werden.

    Daher finden Sie auch keine diesbezüglichen vorsorglichen Kürzungen im Personaletat für 2027. Wir haben vielmehr – wie schon im letzten Jahr – die Personal­kosten um eine allgemeine Fluktuationsquote von 5% gekürzt.

    Umlagen

    Die Steuern und Umlagen, die wir 2027 an das Land Hessen und den Hochtaunuskreis zu zahlen haben, werden voraussichtlich bei 37,6 Mio. € liegen. Das allein ist fast als die Hälfte unserer Erträge.

    Ich sage bewusst „voraussichtlich“, da wir alle noch nicht wissen, wie sich die Kreisumlage entwickeln wird. Gegenwärtig veranschlagen wir für die Kreisumlage knapp 19,9 Mio. € und für die Schulumlage weitere 10,3 Mio. €. In Anbetracht der mehr als angespannten Haushaltslage des Hochtaunuskreises können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht ausschließen, dass der Kreis den Hebesatz der Kreisumlage nach 2025 und 2026 auch im kommenden Jahr ein weiteres Mal erhöhen wird.

    Ich denke, ich muss nicht explizit erwähnen, dass jedes Drehen an dieser Schraube uns finanziell wehtut – nach derzeitigem Stand kostet uns das etwa 600.000 € pro Punkt.

    Viel mehr aber schmerzt mich – das muss ich so deutlich sagen – dass wir auch im kommenden Jahr vom Land Hessen wieder zur Ader gelassen werden. Voraussichtlich 2,1 Mio. € werden von uns als vermeintlich abundanter Kommune eingefordert, um mit der Solidaritäts­umlage zur Entlastung der Landeskasse den Finanzausgleichstopf zu füllen, aus dem dann vermeintlich schlechter gestellte Kommunen unterstützt werden.

    Ich hatte bereits in der vorangegangen Stadtverordnetenversammlung darauf hingewiesen, dass wir neben Oberursel (mit rund 371.000 €) im kommenden Jahr die einzig verbliebene Hochtaunuskommune sein werden, die noch in den Solidaritätstopf einzahlt. Alle anderen bekommen einen Zuschlag mit der Schöpfkelle.

    Sollte die hessische Landesregierung damit ihre Anerkennung für unser gutes Wirtschaften zum Ausdruck bringen wollen, kann ich als Kämmerer dankend auf diese Art des Schulterklopfens verzichten.

    Viel lieber wäre mir, wenn man uns in Wiesbaden einmal schlüssig die Logik hinter dem argumentativen Rösselsprung erklären könnte, die es einem ermöglicht, auf Bundesebene gegen den Länderfinanzausgleich zu wettern, während man die wirtschaftlich noch etwas erfolgreicheren Kommunen im eigenen Land Jahr für Jahr nach genau dem gleichen Prinzip schröpft.

    Und wenn wir schon dabei sind, würde mich die Begründung dafür interessieren, warum die Kappungsgrenze von 40.000 € Jahresein­kommen beim Einkommensteueranteil uns nach wie vor so viel von dem vorenthält und über die Republik verteilt, was die Kronbergerinnen und Kronberger Jahr für Jahr an Steuern zahlen. Die für dieses Jahr vorgesehene Anhebung der Kappungsgrenze um 5.000 € ist nämlich ausgeblieben.

    Investitionen, Baukosten

    Auch wenn das Bauen in den letzten Jahren, namentlich seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine, maßgeblich teurer geworden ist, ist es wichtig, dass wir weiterhin ebenso besonnen wie konsequent in die Zukunft und das Leben in unserer Stadt investieren.

    Dieser Zielsetzung folgend finden sie im Haushaltsentwurf für 2027 neben den dringend not­wendigen Straßensanierungen einige weitere zentrale Projekte, die wir mit Ihrer Unterstützung für die Kronbergerinnen und Kronberger auf den Weg oder im besten Fall zum Abschluss bringen wollen. Exemplarisch möchte ich hier die geplante Erweiterung der Kita Pusteblume (675.000 €), die Sanierung und Erweiterung des Vereinsheims des EFC Kronberg (1,7 Mio. €), die Erneuerung der Filtertechnik im Waldschwimmbad (250.000 €) oder auch die nächsten Schritte auf dem Weg zum Neubau der Feuerwehr Kronberg nennen.

    Eine weitere wichtige Investition in die Zukunft unserer Stadt ist die Entwicklung der neuen Gewerbeflächen Am Auernberg und Am Kronberger Hang.

    Wenn wir uns heute in einer guten Ausgangslage befinden – mit noch immer ausreichender Liquidität und fast schuldenfrei – dann haben wir das vor allem den Kronbergerinnen und Kronbergern zu verdanken, die mit großem Verantwortungsbewusstsein und Weitblick vor Jahrzehnten neues Gewerbe angesiedelt und so die Grundlage für die Einnahmen gelegt haben, von denen wir heute zehren.

    Diesem erfolgreichen Weg werden auch wir 2027 wieder folgen und die Schaffung der genannten Gewerbeflächen weiter voranbringen.

    Dass uns das erst einmal Geld kostet, ist nicht von der Hand zu weisen. So sind für den Ankauf weiterer Flächen in beiden Gebieten 2027 noch einmal 2,9 Mio. € eingeplant, und auch die Erschließung wird ab 2029 nochmals weitere Investitionen erfordern.

    Und: Ja, wir werden uns dafür neu verschulden müssen. Aber die Erfahrung der letzten Jahre hat auch gezeigt: Das Aufschieben gerade von Baumaßnahmen in der Hoffnung auf bessere Zeiten ist töricht und kostet am Ende viel Geld.

    Deshalb bin ich davon überzeugt, dass sich jeder Euro, den wir jetzt vor allem für die Gewerbe­gebietsentwicklung, aber auch für die Erneuerung unserer Infrastruktur in die Hand nehmen, auf Dauer für uns auszahlt.

    Erhöhung der Grundsteuer

    Obwohl wir alle sicher das Gefühl haben, dass uns die öffentliche Hand schon genug von unserem sauer verdienten Geld wegnimmt, werden auch wir als Kommune die Kronberge­rinnen und Kronberger 2027 noch etwas mehr in die Pflicht nehmen müssen. Nur so können wir unseren Haushalt ausgleichen und damit unseren Aufgaben gerecht werden.

    Es kommt in solchen Debatten immer der wohlfeile Hinweis: „Dann muss halt gespart werden. Steuererhöhung sind nur die Ultima Ratio.“

    Niemand würde einem Unternehmen, das ein erfolgreiches Qualitätsprodukt verkauft, bei steigenden Rohstoff- oder Verarbeitungs­kosten den Rat geben, auf schlechteres Material oder billigere Produktion umzusteigen, nur um eine Kostensteigerung im üblichen Rahmen zu vermeiden. So etwas wird dann eher kritisiert.

    Nur bei Kommunen ist es üblich zu erwarten, dass Kostensteigerungen grundsätzlich durch Einsparungen aufgefangen werden. Am liebsten beim Personal und dort, wo es nicht wehtut (wo auch immer das sein mag).

    Die Verwaltung hat bei der Aufstellung dieses Haushaltsentwurfs viele Einsparmöglichkeiten identifiziert und realisiert. Vieles wurde zeitlich verschoben oder im Umfang reduziert. Aber diese Haushaltstechnik hat Grenzen – und Sie als Vertreter der Bürgerinnen und Bürger formulieren die berechtigte Erwartung, dass die städtischen Dienstleistungen effektiv, bürgerfreundlich und zukunftsorientiert erfolgen.

    Die Stadt Kronberg im Taunus erbringt neben den gesetzlichen Pflichtaufgaben zudem auf vielerlei Gebieten freiwillige Leistungen auf einem durchaus beachtlichen Niveau. Hiervon dauerhaft Abstriche zu machen, Leistungen nicht mehr anzubieten oder notwendige Instandhaltungen zu verschieben – das sind Entscheidungen, die auf der politischen Ebene getroffen werden müssten.

    Wie sie dem vorliegenden Haushaltsentwurf entnehmen werden, schlägt der Magistrat neben einer geringfügigen Erhöhung der Gewerbesteuer vor allem eine Erhöhung des Hebesatzes bei der Grundsteuer B vor.

    Die Anpassung der Gewerbesteuer von derzeit 377 auf den Nivellierungs­hebesatz von 381 Punkten wird eine Einnahmeverbesserung von 350.000 € einbringen – damit wir künftig keine Umlagen aus Steuern zahlen müssen, die wir gar nicht einnehmen. Dies hat uns mit aller Deutlichkeit auch der Landrat bei der Haushalts­genehmigung für 2026 ins Stammbuch geschrieben.

    Vorgesehen ist aber vor allem, die Grundsteuer von derzeit 742 auf 990 Punkte anzuheben. Von diesem Schritt erwarten wir uns die benötigten zusätzlichen Einnahmen in Höhe von rund 1,65 Mio. €.

    Wohl wissend, dass dieser Schritt unseres Erachtens zwar unumgänglich ist, aber auch schwer fallen wird, gestatten Sie mir gerade auf das Thema Grundsteuer etwas dezidierter einzugehen.

    Ich habe bislang vornehmlich wie bewusst die Kostentreiber in den Blick gerückt, die uns von außen und von oben zu schaffen machen. Denn sie machen auch den Löwenanteil unserer Aufwendungen aus.

    Wir müssen aber auch so ehrlich sein und einräumen, dass wir in den vergangenen Jahren – weil wir es uns im Unterschied zu anderen Kommunen noch leisten konnten – die eine oder andere finanzielle Belastung von den Kronbergerinnen und Kronbergern ferngehalten haben, obwohl wir sie eigentlich hätten weitergeben müssen.

    2019 wurde die Grundsteuer B von 500 auf 470 Punkte gesenkt.

    2022 folgte die ersatzlose Abschaffung der Straßenausbaubeiträge – ein besonders plakatives Beispiel. Während in der Vergangenheit zumindest ein Teil der Sanierungskosten auf die Anlieger umgelegt wurde, müssen nun die dafür erforderlichen Aufwendungen vollständig aus Steuermitteln finanziert werden. Und dies in Zeiten massiv steigender Baukosten.

    Allein für das Jahr 2026 sind für die grundhafte Erneuerung der Sodener Straße und der Doppesstraße 1,2 Mio. € im Haushalt eingestellt. Und für 2027 stehen mit der Schlossstraße, dem Gelben Weg und der Klosterstraße die nächsten Sanierungen an, die im vorliegenden Haushaltsentwurf mit einem Gesamtvolumen von 1,37 Mio. € angesetzt sind. Und ich erinnere mich daran, dass es in der Debatte zur Abschaffung der Straßenausbaubeiträge hieß, es sei doch gerechter, dies ggf. über die Grundsteuer aufzufangen.

    Ein weiteres Beispiel: Die Kinderbetreuung schlägt im kommenden Jahr mit mehr als 12 Mio. € zu Buche – im Wesentlichen direkte und indirekte Personalkosten mit deren bereits erwähnter, eigener Dynamik.

    Dass wir dennoch darum bemüht sind, die Belastungen der Eltern durch Beitragserhöhungen so gering zu halten wie möglich und daher die Beiträge nur um 5% erhöht haben, ist ganz sicher richtig.

    Unabdingbar ist aber auch der Haushaltsausgleich. Und die Entlastung oder Verschonung, die aus guten Gründen an der einen Stelle vorgesehen wird, muss eben an einer anderen Stelle ausgeglichen werden.

    Um den Haushaltsausgleich für das kommende Jahr sicher zu stellen, erweist sich die Anhebung der Grundsteuer B aus unserer Warte als die verlässlichste und letztlich auch ausgewogenste Lösung.

    Ich möchte in dem Zusammenhang noch darauf hinweisen, dass nach der Senkung der Grundsteuer B im Jahr 2019 auch die 2025 umgesetzte Grundsteuer­reform einen Einnahme­verlust für uns zur Folge hatte. Denn trotz angestrebter Aufkommensneutralität sind unsere Zuflüsse aus der Grundsteuer seither um rund 200.000 € jährlich zurückgegangen.

    Und auch das sei gesagt: Wenn wir Ihnen mit dem Haushaltsentwurf für 2027 jetzt eine Erhöhung des Hebesatzes um 248 auf künftig 990 Punkte empfehlen, dann liegen wir damit immer noch erkennbar unter den Werten, die unsere Nachbarn in Steinbach, Königstein oder Oberursel bereits gezwungen waren aufzurufen.

    Das ist kein Trost, und mir geht es auch nicht darum, die von uns vorgeschlagene Erhöhung der Grundsteuer schönzureden. Sie ist ohne Zweifel eine zusätzliche Belastung privater Haushalte wie auch Kronberger Unternehmen, die letztlich wir alle zu spüren bekommen werden.

    Der Blick zu unseren Nachbarn unterstreicht nur, wie tiefgreifend die Krise ist, in die man die Kommunen hierzulande manövriert hat und wie begrenzt unsere Möglichkeiten sind, uns daraus zu befreien.

    Aber genau darauf wird es ankommen. Denn dass uns Bund und Land zur Hilfe kommen oder sogar das Wort „Konnexitätsprinzip“ endlich richtig verstehen – darauf sollten wir uns nicht verlassen.

    Schlussbemerkungen

    Abschließend noch der Hinweis, dass wir zwei kurzfristig beschlossene Änderungen im Haushaltsentwurf im Nachgang zur heutigen Stadt­verordneten­versammlung einpflegen werden. Dabei handelt es sich um eine Aufwandserhöhung um 5.000 € und die Reduzierung einer Investition um 135.000 €. Sie finden diese Beschlüsse bis zur Einarbeitung auf einem Beiblatt.

    Ein kurzer Ausblick auf den Wirtschaftsplan der Stadtwerke für 2027. Das bisherige Defizit wird, soweit es den Baubetriebshof betrifft, durch eine Anpassung der Stunden­verrechnungs­sätze ausgeglichen werden; die übrigen Defizite sind Teil von Gebührenhaushalten und werden im Rahmen der turnusmäßigen Neukalkulation ausgeglichen.

    Der Investitionsplan der Stadtwerke für das kommende Jahr legt den Fokus weiterhin auf die Sanierung und Modernisierung unseres Trinkwassernetzes und seiner Anlagen.

     

    Meine sehr verehrten Damen und Herren,

    ein genehmigter Haushalt ist essentiell für die Arbeit einer Kommune. Wir haben alles darangesetzt, Ihnen einen Haushalt vorzulegen, der nicht nur die gesetzlichen Notwendig­keiten einhält, sondern darüber hinaus auch einen Kurs aufzeigt, in welche Richtung sich unsere Stadt in den nächsten Jahren bewegen soll und bewegen kann.

    Wenn es eine zentrale Botschaft gibt, von der ich hoffe, dass ich sie vermitteln konnte, dann ist es die, dass die Zeiten ganz sicher auch für uns in Kronberg herausfordernd sind. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass wir Ihnen mit diesem Etat-Entwurf ein Instrument an die Hand geben, mit dessen Hilfe wir unsere Stadt sicher an den aktuellen Klippen vorbei navi­gieren und auf Kurs in Richtung einer vielversprechenden Zukunft halten können.

    Den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die viel Arbeit in das Zustandekommen dieses Entwurfs gesteckt haben, gilt mein herzlicher Dank ebenso wie den Kolleginnen und Kollegen des Magistrats für ihre konzentrierte, intensive und engagierte Arbeit.

    Ihnen, meine sehr verehrten Damen und Herren, wünsche ich jetzt erst einmal für die kommenden Wochen ebenso gute wie zielführende Beratungen, und uns allen, dass wir den gesteckten Zeitplan einhalten und zum parlamentarischen Jahresabschluss am 17. Dezember den Haushalt für 2027 beschließen können.

     

    Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

    Christoph König
    Bürgermeister

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